12.08. – 12.09.2024
Diese Fahrt beginne ich in Merzig/Saarland. Durch eine leicht hügelige Landschaft geht es zunächst entlang der Grenze zu Luxemburg und Belgien.
Im Zentrum der Stadt Thionville unternehme ich einen kurzen Spaziergang bevor ich bei 35 Grad im Schatten wieder losfahre. Selbst kleinere Anstiege bringen mich bei diesen Temperaturen ins Schwitzen. Die erste Übernachtung im Zelt ist heute auf einem unbefestigten Parkplatz hinter einer Mietersiedlung.
Marville besticht mit schönen alten Häusern, einer Kirche und tollem Ausblick. Die nächste Nacht im Zelt bringt Regen und Gewitter – es gibt angenehmere Bedingungen. Bei leichtem Regen baue ich am frühen Morgen das nasse Zelt ab. Alles was ich heute morgen anfasse ist nass und klamm. Und Trocknen funktioniert heute auch nicht, da sich die Sonne nicht blicken lässt. Über Beauclair, Vouziers und Rethel geht es entlang weiter Agrarflächen und wenig Verkehr. Heute übernachte ich in einem Hotel, wo ich im Hinterhof das Zelt und andere Dinge zum Trocknen aufhängen kann.
Zu meiner Überraschung kann ich am nächsten Tag am Canal des Ardennes entlang weiter radeln. Also kein Autoverkehr und nur sehr wenige Radler sind dort unterwegs. An einem schönen Rastplatz koche ich mir etwas zu Mittag und ruhe eine Weile aus. Auf der weiteren Fahrt komme ich immer wieder an ehemaligen Schlachtfeldern des ersten Weltkrieges vorbei. Oder an Friedhöfen.
In Chaudardes finde ich einen tollen Platz zum Zelten hinter einem Lavoir (ehemaliger Waschplatz). Im Haus nebenan kann ich mein Smartphone aufladen und werde sogar noch zu einem Bier eingeladen. Über Soissons (schöne Stadt mit riesiger Kathedrale) und Noyon komme ich durch eine abwechslungsreiche Landschaft bis Beaurains-le-Noyon, wo ich auf einem kommunalen Grundstück am Ortsende mein Zelt aufschlagen kann.
Nach dem leichten Regen in der Nacht ist es am nächsten Morgen trocken und nachdem ich etwas eingekauft habe, frühstücke ich erst einmal im folgenden Ort. In Amiens nehme ich mir wieder ein Hotel, denn es ist Zeit für eine Radlpause. Deshalb unternehme ich dort eine Bootsfahrt entlang der schwimmenden Gärten „Jardin de Hortillonages“. Früher waren hier entlang eines weit verzweigten Kanalsystems Gärten, die die Versorgung der Stadt sicher stellten. Im Viertel Saint-Leu, dem ältesten Viertel der Stadt, spaziert man vorbei an bunten Häusern, die sich um die flächenmässig größte gotische Kathedrale Frankreichs erstrecken. Abends gibt es eine atemberaubende Lichtprojektion „Chroma“ an der Kathedrale mit passender Musik.
Recht kühl ist es am nächsten Tag als ich losfahre. Zum ersten Mal muss ich heute meine Radfahrjacke anziehen. Über Buchy und Montville erreiche ich Rouen, wo es inzwischen stark regnet. Mit voller Regenmontur finde ich nach einigem Suchen und Fragen das Touristenbüro – das umgezogen ist – und nutze erst einmal Wifi und einen trockenen Unterstellplatz.
Prägend für das Stadtbild von Rouen ist die Kathedrale Notre-Dame de Rouen. Im Jahr 1431 wurde hier die Heerführerin und katholische Heilige Jeanne d`Arc verbrannt. Rouen ist die Hauptstadt der Normandie und die Hafenstadt an der Seine hat unter der römischen Herrschaft und im Mittelalter eine bedeutende Rolle gespielt und verfügt über gotische Kirchen, eine kopfsteingepflasterte Fußgängerzone und mittelalterliche Fachwerkgebäude.
Zum Glück habe ich heute Nacht eine Übernachtung bei einem Rad-Dachgeber, so dass ich wieder meine Sachen trocknen kann.
Der nächste Tag ist wieder sonnig, wenn auch mit viel Wind. Die Besichtigung von Pont Audemer lohnt sich. Ebenso Honfleur, auch wenn es ein Touristenmagnet ist. Dort frühstücke ich auch, lasse mein Smartphone aufladen und besichtige zu Fuss die Stadt. Der Tag endet heute in Coleville-Montgomery, wo ich hinter Hecken neben einem Friedhof – Wasseranschluss inklusive – mein Zelt aufschlage. Die weitere Fahrt führt entlang der abwechslungsreichen Küste. Hier befinden sich weiße Kalkfelsen und bedeutende Schauplätze aus dem 2. Weltkrieg (Landung der Allierten).
Frühstück mit Blick auf das weite Meer – Erinnerung an eine Tour in Mecklenburg vor vielen Jahren – werden wach.
Der heutige Tag fordert alles: extremer Gegenwind, Steigungen, Regen. Nach einer Pause in einem Supermarkt geht es bei leichten Regenschauern und vielen Steigungen weiter. Erst nach längerem Suchen finde ich meine heutige Dachgeber-Familie in Vire. Gérard weiss was Radler brauchen: erst gibt es eine Dusche und dann ein vorzügliches französisches Abendessen. Und er bietet mir an, morgen noch hier zu bleiben, da wieder Regen gemeldet ist. So kommt es auch und ich bin froh noch eine Nacht hier verbringen zu dürfen.
Wir fahren mit dem Auto nach Granville, da er dort etwas zu erledigen hat – es regnet in Strömen. Die Stadt besitzt sowohl einen Seehafen, als auch einen Fischerhafen und Yachthafen. Sie ist Luftkurort und Seebad und es gibt direkte Zugverbindungen nach Paris. Von hier aus fahren auch Fähren zu den Kanalinseln Jersey und Guernsey. Nach der Heimfahrt zeigt er mir noch Vire mit Kirche und Burgruine, schön an einem Fluss gelegen.
Dank Gérard kann ich auf einem „Voie Verte“, einer ehemaligen Eisenbahntrasse, die jetzt als Radweg genutzt wird, weiter fahren. Er fährt sogar mit seinem Rad mit mir bis an den Beginn des Weges. Ein toller Weg durch dichten Wald, teilweise mit fast geschlossenem Blätterdach. Auch mit schönen Rastplätzen entlang des Weges. Nach etwa 80 Kilometern sehe ich zum ersten Mal in der Ferne den Mont-Saint-Michel – ein atemberaubender Anblick. Der Mont-Saint-Michel und seine Bucht gehören seit 1979 zum „UNESCO-Kulturerbe der Menschheit“. Seine Bucht ist Schauplatz der stärksten Gezeiten Europas. Kein Wunder, daß es die meistbesuchte Sehenswürdigkeit der Normandie ist.
In Huiste-sur-Mer finde ich ein „Gite Rural“, das eine Familie gemietet hat. Sie haben nichts dagegen, dass ich hinter den Bäumen auf dem Grundstück mein Zelt aufschlage. Perfekt – denn nebenan ist die Kirche mit Friedhof und so ist das Wasser für die abendliche Dusche sichergestellt.
Um 7 Uhr morgens schlagen die Kirchenglocken nebenan mehr als laut und wecken mich. Nach dem Zeltabbau bin ich in wenigen Minuten an einem großen Parkplatz vor dem Mont-Saint-Michel. Zu Fuss gehe ich von hier auf einem Steg zum Klosterberg. Das Kernstück des mehr als 1300 Jahre alten Klosterberges ist die Abtei. Vom 8. bis ins 18. Jahrhundert galt die „Abbaye du Mont-Saint-Michel“ als eine der wichtigsten Pilgerorte Frankreichs. Jetzt ist Ebbe, das Wasser im Meer hat sich weit zurück gezogen.
Nach der eindrucksvollen Besichtigung der Abteikirche und Gärten geht es nun wieder weiter – immer direkt an der Küste entlang auf ausgeschilderten Radrouten. Schließlich erreiche ich Saint-Malo in der Bretagne, wo ich wieder privat übernachten kann. Das Rad kommt in eine Garage und ich habe ein eigenes Zimmer. Abends unternehme ich noch zu Fuß eine kleine Stadtbesichtigung. Die Altstadt von Saint-Malo ist von einer 2 Kilometer langen Stadtmauer mit acht Stadttürmen umgeben. Neben ihrer historischen Bedeutung bietet die Stadtmauer einen tollen Blick auf das Meer und die vorgelagerten Festungen. Die Altstadt hat eine einladende und malerische Atmosphäre. Bei einem Rundgang durch die engen Gassen mit Kopfsteinpflaster fühlt man sich in vergangene Zeiten zurück versetzt.
Auf Nebenstraßen geht es am nächsten Tag aus Saint-Malo heraus. Schöne Orte und immer wieder Blick auf die Bucht von oben. Insbesondere die Ortschaft Saint-Suliac sticht heraus.
Dinan erreiche ich zur Mittagszeit und in einer Seitenstraße neben dem Rance-Kanal stelle ich das Rad ab und laufe zu Fuss auf steilem Kopfsteinpflaster hoch in die Stadt. Auch Dinan ist von einer Stadtmauer umgeben und besitzt ein Schloß (heute Museum) aus dem 14. Jahrhundert. Die mittelalterliche bretonische Stadt besitzt allein 115 Holzfachwerkhäuser.
Ich esse hier zu Mittag die typisch bretonischen Galettes (runde Pfannkuchen aus Kartoffeln oder Getreide gefüllt mit diversen Zutaten) und kaufe Proviant für die Weiterfahrt ein. Entlang des Kanals geht es an Lehon (Schloß) weiter bis Evran. Hier verlasse ich den Kanalweg und über wenig befahrene Landstraßen komme ich bis Betton, wo ich diesmal bei einer Radlerin übernachten darf. Diese ist am Abend gar nicht zu Hause und überlässt mir den Wohnungsschlüssel.
Nach dem gemeinsamen Frühstück am nächsten Morgen kann ich entlang des Kanals und einiger Nebenwege bis in die Stadt Rennes einfahren. Rennes ist die Hauptstadt der Bretagne und bekannt für seine mittelalterlichen Fachwerkhäuser und die prächtige Kathedrale. Die Stadt besitzt viele Museen und Kulturzentren. BeimTouristenbüro hole ich mir einen Stadtplan und besichtige die Stadt zu Fuss.
Gegen Mittag folge ich einem Weg, der entlang des Flusses Vilain führt. Ein Teilstück ist aber gesperrt, so daß ich einen längeren Umweg in Kauf nehmen muss. Und das passiert später noch einmal, so daß ich beschliesse diesen Weg zu verlassen. Allerdings bedeutet das, dass wieder einige Steigungen zu bewältigen sind. Bei der heutigen Hitze wieder eine schweisstreibende Sache. Die Strecke bis Lieuron zieht sich mehr und mehr in die Länge. Dafür kann ich dann auf dem Grundstück eines Radlerpaares heute Nacht in einer Yurte schlafen. Und das mit direktem Blick auf den nächtlichen Sternenhimmel! Ein ganz neues Erlebnis.
Deutlich später als sonst stehe ich heute auf, ich fühle mich etwas schlapp. Im netten Städtchen Redon kaufe ich Lebensmittel ein und auf einem Ruinengelände, nicht weit weg vom Kanalweg, dem ich heute wieder folge, befindet sich ein Rastplatz mit allem was man sich als Radler nur wünschen kann. Hier koche ich etwas auf meinem Kocher.
Ganz in der Nähe des Schlosses von Blain befindet sich ein Garten der zum Schloss gehört und der zu meiner Überraschung nicht verschlossen ist. Zwischen dem Garten und einem Gebäude ist der Platz von aussen nicht einsehbar und so stelle ich hier mein Zelt auf.
Ich folge am nächsten Tag dem Kanal „Brest – Nantes“ schon in der Frühe und sehe viele Enten, Wasservögel und Reiher entlang meines Weges. Ich bin der einzige Radler an diesem frühen Morgen. Nachdem ich einem heftigen Regenschauer durch Unterstellen entkommen konnte, regnet es später andauernd und da hilft auch kein Unterstellen mehr. Irgendwann verlasse ich den Kanalweg und die letzten Kilometer bis in die Stadt Nantes regnet es wie aus Kübeln. In Nantes bin ich bereits klatschnass und habe Probleme ein Hotel zu finden. Nach einiger Zeit finde ich mehr schlecht als recht ein Hotel in der Nähe des Bahnhofs. Das Rad findet in einer engen Nische im Haus gerade noch Platz und ich muss meine Sachen drei Stockwerke hochschleppen. Da ich dringend eine Ruhepause brauche und das Wetter im Moment auch nicht der Hit ist, bleibe ich noch einen weiteren Tag in Nantes. Allerdings wechsle ich den Schlafplatz und übernachte in der Jugendherberge. Diese ist fast neu und deutlich komfortabler und angenehmer als das Hotel von gestern.
Nantes ist der Geburtsort des französischen Schriftstellers Jules Verne (Abenteuerromane wie „Reise um die Erde in 80 Tagen“) und berühmt für die einzigartigen, von Verne inspirierten Les Machines de l´ile, zu denen auch ein riesiger Elefant gehört, der die Besucher auf einer Reise durch die Stadt mitnimmt. Die Stadt war im 18. Jahrhundert sogar die bedeutendste Hafenstadt Frankreichs. Das Altstadtviertel Bouffay ist für seine verwinkelten Gassen, lebhaften Straßencafés und historischen Gebäude bekannt. Das Schloß der Herzöge der Bretagne (Chateau des Ducs de Bretagne) befindet sich hinter dicken Festungsmauern im Herzen des mittelalterlichen Stadtviertels. Es beherbergt heute das historische Museum. Mit dem Bau der Kathedrale wurde 1434 begonnen und ihr Bau dauerte über 400 Jahre. Eine der schönsten Einkaufspassagen Frankreichs ist die Passage Pommeraye. Um 1840 erbaut, beeindruckt sie durch kunstvolle Steinsäulen, Spiegel und schmiedeeiserne Leuchten.
Nach dem Frühstück in der Herberge regnet es auch an diesem Tag wieder und so beschliesse ich zum Bahnhof zu radeln. Auf dem Weg dorthin verfahre ich mich auch noch und bin schon gut durchnässt, als ich diesen erreiche. Immerhin habe ich Glück, dass in einer halben Stunde ein Zug mit Fahrradmitnahme in Richtung Orleans fährt. Diesen Zug nehme ich. Doch nicht nur ich, sondern noch viele andere Radler an diesem Sonntag. Es herrscht das reinste Chaos im Zug, die Radabstellplätze sind viel zu eng und klein. Ich bin froh, dass ich bereits an der ersten Station aussteige. In Angers hole ich mir dann Infomaterial beim Touristenbüro und fahre zur Jugendherberge (4 km). Als ich diese endlich gefunden habe, teilt man mir mit, dass heute nacht alles ausgebucht ist. Also fahre ich zu einer weiteren Adresse, die ich vom Touristenbüro erhalten habe. Diese liegt genau in der entgegengesetzen Richtung und auch hier dauert es sehr lange bis ich dort bin. Doch auch hier alles ausgebucht! Nach diesem kleinen Schock gönne ich mir erst einmal eine Verschnaufpause und esse etwas auf einem gegenüber liegenden Rastplatz mit Überdachung. Denn es hat wieder angefangen zu regnen. Ich entscheide mich dafür, die Stadt zu verlassen und weiter zu fahren, als es aufhört zu regnen. Der Radweg führt parallel entlang der Loire, mal ganz nah am Fluss, mal weiter entfernt davon. Wenigstens gibt es heute noch einen versöhnlichen Abschluß in St. Mathurin-sur-Loire, denn dort übernachte ich auf einem sehr schönen, kleinen Campingplatz, wo ich abends einen anderen Radler aus Deutschland treffe. Eine abwechslungsreiche Strecke führt mich am nächsten Tag weiter nach Saumur, wo ich das Schloß und die Stadt besichtige. Schöner Fernblick vom Schloß auf die Loire und die Umgebung! Auf einem Kinderspielplatz trockne ich später das Zelt und die Unterlegfolie, während ich etwas koche. Kaum fahre ich wieder los, fängt es leicht, aber beständig an zu regnen. In Montsereau mit seinem Schloß suche ich mir heute ein privates Zimmer (Chambre d`Hote).
In Fontevraud l´Abbaye besichtige ich am nächsten Tag die königliche Abtei. Sie war ein gemischtes Kloster und gilt als grösstes klösterliches Gebäude Europas und wurde später auch als Gefängnis (bis 1963) genutzt. Entlang Felder und einiger Waldgebiete komme ich dann nach Chinon. Schon von weitem ist die imposante Festung über der Stadt zu sehen. Auch die Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen lohnt eine Besichtigung. Der weitere Weg beginnt erst einmal mit Schieben einige steile Gassen hoch. Am Schloß von Rigny-Ussè fahre ich vorbei und auch auf der anderen Uferseite der Loire befindet sich wieder ein Schloß. Dieses Schloß in Langeais ist mitten im Zentrum gelegen.
Kurz vor Villandry frage ich an einem ehemaligen Bauernhof, ob ich dort zelten kann. Das ist kein Problem und später bringt mir eine Frau noch Obst und Tomaten. Nach dem Essen vor dem Zelt geniesse ich einen schönen Abendhimmel. Auf einem Rastplatz für Radler in Villandry koche ich mir am nächsten Morgen mal ein kräftiges Frühstück bevor ich den Schloßgarten von Villandry besichtige. Das reinste Labyrinth – sehenswert!
In Tours habe ich einige Schwierigkeiten das Stadtzentrum zu finden. Hier mache ich eine Mittagspause und einen kleinen Stadtrundgang.
Durch Weinberge geht es bis Amboise, das natürlich auch ein Schloß sein eigen nennt. In Amboise entscheide ich mich den Loire-Radweg zu verlassen und einen kürzeren Weg in Richtung Blois zu nehmen. Dank Rückenwind funtioniert das auch ganz gut. Nach etwa einer Stunde Fahrt überquere ich die Brücke in Chaumont. Ganz in der Nähe sehe ich ein Hinweisschild zu einem „Camping Municipal“ und so bleibe ich diese Nacht hier.
Am nächsten Morgen regnet es beim Zeltabbau leicht, doch als ich später Blois erreiche, hat es aufgehört. Ich fahre am Schloß vorbei und hole Infomaterial beim Touristenbüro. Die Stadt liegt sehr schön am Flussufer der Loire, besitzt ein prächtiges Schloß, eine gotische Kathedrale und enge, gepflasterte mittelalterliche Gassen. Und die Escalier Denis Papin ist eine eindrucksvolle Treppe in der Innenstadt, die mehrmals im Jahr in eine Riesenleinwand verwandelt wird.
Auf Radwegen und über Dörfer und durch Wälder und Weinberge komme ich schließlich nach Chambord wo sich das größte und wohl auch beeindruckendste Schloß des Loiretales befindet. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde es unter König Franz I. als Prunk- und Jagdschloß im italienischen Renaissancestil errichtet. Es liegt in einem ausgedehnten Jagdgebiet.
Ich sehe mir das Schloß von aussen an und dann führt mich die weitere Fahrt zunächst viele Kilometer durch dichten Wald. Hier begegne ich nicht nur einem Rudel Wildschweine sondern auch einem kapitalen Hirsch!
Kühl und recht frisch ist es bei meinem Start am nächsten Tag. Da ich keinen Proviant mehr habe, fahre ich ohne Frühstück los. Erst in Vouzon finde ich eine Bäckerei und einen kleinen Laden zum Einkaufen. Über Gien gelange ich dann nach Briare, wo ich wieder ein Stück am Kanal entlang fahren kann. In Breteau schlage ich das Zelt neben einem Sportplatz auf. Der Friedhof mit Wasseranschluss ist gleich in der Nähe.
Der nächste Tag ist wieder regnerisch. Unter dem Vorbau einer Kirche kann ich mich gerade noch unterstellen, als ein kräftiger Regenguss niedergeht. Auch ein Radlerpaar aus Paris hat die gleiche Idee. Toucy erreiche ich dann ohne weiteren Regen. Hier ist gerade Markttag, sodass sich ein Bummel über den Markt anbietet. Schließlich kommt sogar die Sonne hervor und sofort nutze ich die Gelegenheit alle nassen Sachen inklusive Zelt vor dem Schloß zu trocknen. Sicher ein nicht alltäglicher Anblick – doch niemand nimmt daran Anstoß. Kaum sind die Sachen trocken und wieder verpackt, trübt sich der Himmel wieder ein.
In Auxerre im Nordwesten des Burgund übernachte ich in einem „Maison du Randoneur“ (Haus für Wanderer) und habe den Schlafsaal für mich allein.
Während es draussen regnet, dusche ich drinnen erst einmal und esse zu Abend. Danach unternehme ich noch einen Spaziergang in der Stadt, denn inzwischen hat es aufgehört zu regnen. Imposant die Tour de l´Horloge aus dem 15. Jahrhundert, die gotische Kathedrale und die Abtei.
Der Blick auf die Kathedrale vom anderen Flussufer am nächsten Morgen ist noch beeindruckender als gestern Abend. Über Chablis, Tonnerre, Chatillon-sur-Loire und weiteren Dörfern gelange ich bei einigen Regenschauern nach Doncourt-sur-Meuse, wo ich ein privates Zimmer (Chambre d`Hote) finde. Das war heute auch meine längste Tagesetappe (100 km). Am Morgen gibt es ein tolles und reichhaltiges Frühstück.
Auf Nebenstrecken erreiche ich Vittel und am frühen Abend komme ich in Charmes an. Ich folge dem „Canal de l´Est“ und bei Socourt kann ich mein Zelt ungestört in der Nähe eines Sees aufbauen und mein Rad an einen Baum lehnen. Genug für heute!
Nachts stürmt es und mein Zelt wackelt hin- und her. Bei leichtem Regen dann wieder der obligatorische Zeltabbau und in Regenkleidung geht es weiter am Kanal entlang. Eine kleine Stärkung gibt es in Bayon rechtzeitig von einem längeren Anstieg. Der Regen hört auch nicht auf als ich die Stadt Lunéville erreiche. Für das Schloß habe ich bei diesem Wetter kein Interesse, stattdessen fahre ich zum Bahnhof. Nach einer kleinen Wartezeit kann ich kann ich einen Zug bis Saverne nehmen. Auch dort das gleiche Wetter. So gehe ich erst einmal in ein Restaurant zum Mittagessen. Danach hat es aufgehört zu regnen und ich unternehme noch einen längeren Rundgang in der Stadt und zum Schloß, bevor ich entlang des Rhein-Marne-Kanals bis nach Schwindratzheim radle. Hier kann ich bei einem französischen Radler übernachten und meine nassen Sachen trocknen. Ein gemeinsames Abendessen und Frühstück gehört mit dazu.
Der folgende Radtag ist auch mein letzter. Nach der Fahrt bis Weißenburg, wo ich einen kleinen Rundgang durch die Stadt unternehme (obwohl ich die Stadt schon von mehreren Touren her kenne), verlasse ich Frankreich. Über Kandel, Rülzheim, Westheim, Harthausen und Hanhofen radle ich nach Iggelheim zu meinem Bruder und meiner Mutter zurück. Etwa 8 Kilometer vor dem Ziel erwischt mich mitten im Wald ein starker Regenguss und ich habe eine vorgezogene Dusche!
Nach 1 935 gefahrenen Kilometern geht diese Tour in Frankreich zu Ende.
Hans Jürgen Stang



